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Ein dickes "Ups" im Wahlkampf – Plakat-Model wirbt gegen Studiengebühren, studiert aber selbst an Privatunis

Wieder mal kein Skandal, aber ein dickes “Ups” im Wahlkampf. Da wird die Nordkurve – so nennt Kajo Wasserhövel die SPD-Bundestagswahlkampfzentrale – sich die Hand an die Stirn geklatscht haben. Auf dem folgenden Plakat wirbt ein SPD-Mitglied und Kandidatin der JUSOs für die NRW-Kommunalwahl – der Nachname wird hier mal weggelassen, belassen wir es bei Jennifer - für die Abschaffung der Studiengebühren. Das ist für die SPD ein besonderes Thema und liegt nicht nur der Bundespartei am Herzen, sondern einigen Wählerinnen und Wählern auch. Per se keine Diskussion wert, aber wer ist denn die Dame dort?

SPD-Bildung

Jennifer auf dem Wahlplakat der SPD. Foto: SPD

Jennifer ist eine Studentin der EBC Düsseldorf und der EBC Dublin auf Diplom im Studiengang Tourismus- und Eventmanagement. Die EBC Düsseldorf nennt sich “European Business College” und ist eine Hochschule für internationales Management. Mehr unter http://www.duesseldorf.euro-business-college.de

Ein Studium dort kostet laut Recherchen der Süddeutschen Zeitung (Artikel unter http://www.sueddeutsche.de/politik/216/485640/text) rund 24.000,- EUR (Semestergebühren sowie Gebühren für Prüfungen und Unterrichtsmaterialien). Dies würde an einer Universität in Nordrheinwestfalen für lockere 47,8 Semester Studium reichen, also echt attraktiv für Langzeitstudierende. Und was ist nun Stein des Anstoßes? Politik hat wenige Aspekte, die den Wähler überzeugen. Vertrauen gehört dazu und Glaubwürdigkeit. Und eine Dame, die links predigt, aber rechts lebt, ist wenig glaubwürdig. Genau so wird das zum politischen Problem der Nordkurve.

Die Süddeutsche schreibt: Sie selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Über ihr Profil im Internetnetzwerk Xing meldete sie sich aber am Abend mit diesen Worten: “Für alle, die es ganz genau wissen wollen: Mein Studiengang wird nicht an einer staatlichen Schule angeboten. Gerade weil ich weiß, wie schwierig es ist, Studiengebühren zu bezahlen, bin ich gegen generelle Studiengebühren wie sie CDU und FDP für alle Unis in NRW eingeführt haben.”

Das ist zumindest nicht dumm dahergeredet. Das ist ein gutes Beispiel, welcher Faux pas im Wahlkampf-Marketing lauern können. Lustig auf jeden Fall!

Und wenn der arme Minister Schäuble plakatemäßig veräppelt wird, braucht die SPD bei solch einer Vorlage nicht lange darauf zu warten, bis Gleiches mit ihrigen passiert, siehe hier (gefunden auf rcds.de):

00000220_SPD-Wahlplakat

Mit einem Grinsen verabschiede ich mich und wünsche einen schönen Abend.

Marcus Reif

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« Großer Bohei um eine eigentlich triviale Sache – Hintergrundcheck von Bewerbungen im Internet – Das war das Flörsheimer Familien- und Sommerfest der CDU »

Info:
Ein dickes "Ups" im Wahlkampf – Plakat-Model wirbt gegen Studiengebühren, studiert aber selbst an Privatunis ist Beitrag Nr. 405
Autor:
Marcus Reif am 27. August 2009 um 19:03
Category:
Politik
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16 Kommentare »

  1. Readers Edition » Wirbel um SPD-Wahlplakat

    [...] Junge Union Deutschlands: Ein VZ-Nutzer hat sich das SPD-Wahlplakat “Bildung darf nicht vom Konto der Eltern abhängen” einmal genauer angesehen. Er stellt fest, dass die abgebildete Dame derzeit an einer [...]

    #1 Pingback vom 28. August 2009 um 03:17

  2. Skandal? Nö. « Thema eins

    [...] auf dem Plakat super hübsch aussieht. Man sollte bei so einem Thema nicht unbedingt mit einer Privathochschul-Absolventin [...]

    #2 Pingback vom 28. August 2009 um 05:51

  3. woot

    An Kleingeistigkeit fehlt es diesem Artikel sicherlich nicht!

    #3 Kommentar vom 28. August 2009 um 14:38

  4. kloni

    Versteh ich ehrlich gesagt nicht ganz!
    Ich kann doch gegen Studiengebühren sein und trotzdem ein teures Studium absolvieren. Das schliesst sich doch nicht aus.
    Wenn sie die finanziellen Möglichkeiten dazu hat, dann darf sie die auch ausnutzen. Und gleichzeitig kann sie dafür kämpfen oder werben, die Studiengebühren abzuschaffen.
    Finde ich nun kein Widerspruch … aber sonderlich glücklich ist es natürlich auch nicht!

    #4 Kommentar vom 28. August 2009 um 14:47

  5. Torsten

    Wo ist jetzt das “Ups”? Dürfen JuLis im Umkehrschluss nicht mehr auf öffentliche Unis?

    #5 Kommentar vom 28. August 2009 um 15:20

  6. Ein User

    Ich verstehe die ganze Aufregung um Jennifer Metzlaff überhaupt nicht, hier wird doch wieder mal hysterisch das eine gegen das andere Lager ausgespielt.

    #6 Kommentar vom 29. August 2009 um 09:49

  7. Ist doch egal

    Ich weiß ja nicht. Ist doch egal. Man kannn es doch richtig finden das es keine generellen Studiengebühren gibt und trotzdem freiwillig welche zahlen. Irgendwie wird im Moment aus jedem Mist eine riesen Ding gemacht.

    #7 Kommentar vom 29. August 2009 um 11:02

  8. zar

    Links blinken – rechts abfahren.

    Tja, das ist echt tragisch für eine ehemalige Volkspartei. Wer schreibt, das er/sie das Problem nicht nachvollziehen kann hat in erster Linie natürlich nicht ganz Unrecht. Dumm nur, daß viele SPD-Anhänger scheinbar Wasser predigen und Wein trinken. Insofern hinkt der Vergleich “Dürfen JuLis im Umkehrschluss nicht mehr auf öffentliche Unis?”. Die JuLis stehen immerhin zu Ihrem Wort.

    Der Skandal ist weniger Jennifer und Ihr Studium, als vielmehr der Grat der Verblödung deutscher Politiker und Parteimitglieder. Das gilt selbstredend nicht nur für die SPD, sondern auch für die anderen Parteien.

    Politikverdossen? Ich? Warum denn?

    Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle nochmals an die große Koalition im berliner Elfenbeinturm: Mein -zugegebenermaßen kleines- Unternehmen mit drei Mitarbeitern, hat letztes Jahr eine klitzekleine Steuernachforderung in 5-stelliger Höhe latzen dürfen. Die Konsequenz? Drei Arbeitslose mehr. Nebenbei: Nein, ich habe kein Gehalt bezogen, sondern alles an die Angestellten ausgeschüttet. Ich arbeite wieder ganz normal wie viele andere auch. Für mich ist das auch ok, dumm nur für die Arbeitsplätze. Hatte ich erwähnt, das die Bank Stress gemacht hat? Hallo Dresden!

    Ich werde niemals Bankangestellter, Verdi-Vertreter, Autobauer, Politiker, Beamter oder ähnliches sein. Ich war immer Mittelstand und auch stolz darauf.
    Dumm, dass die Politik jetzt zig Milliarden in das was sie Wirtschaft nennt gepumpt hat.

    Ganz ehrlich: Wenn ich genug Kohle zusammen habe, bin ich futsch.

    zar

    #8 Kommentar vom 29. August 2009 um 11:36

  9. Witz der Woche: SPD Plakat | Aktuelles/Politik/Public | IMA - Informationen Mal Anders

    [...] und mehr Infos bei: sueddeutsche.de, Blog von Marcus Reif Twitter [...]

    #9 Pingback vom 29. August 2009 um 17:29

  10. Hmm

    @zar: Mit 3 Angestellten schon Mittelstand? Das ist wohl eher HomeOffice/SmallBusiness :P
    Und: Komische Logik. Wer ist denn deiner Meinung nach Schuld an deinem Schlamassel? Steuern zahlen müssen wir alle! So what?

    #10 Kommentar vom 29. August 2009 um 18:53

  11. Hallo Kleingeister

    Ich versteh das Gejaule überhaupt nicht. Das ist ein _Model_: Wie naiv muss man sein, um auf einem solchen Bildchen unbedingt was authentisches zu erwarten?!
    In dem Fall muss man der Verräterpartei ja eigentlich sogar zu gute halten, dass die Abgebildete immerhin tatsächlich aus den eigenen Reihen stammt.
    Wenn schon Kritik, dann an dieser unsäglich idiotischen Parteienwerbung im Ganzen.

    #11 Kommentar vom 30. August 2009 um 11:39

  12. sternenschein

    Empfinde ich nicht schlimm. Weshalb sollte sie sich nichzt für die Abschaffung der Studiengebühr einsetzen?
    Auch wenn sie es selbst nicht nötig hat und diese wohl locker bezahlen könnte.
    Es gibt ja auch Millionäre die sich für die Millionärssteuer einsetzen. Ob sie deswegen aber die SPD wählen verraten sie eher nicht.
    Merkwürdiger würde ich ein Plakat mit dem Konterfei von Ackermann und dem Schriftzug:
    “Ich bin für Mindestlöhne, deshalb wähle ich SPD”
    finden.

    #12 Kommentar vom 31. August 2009 um 03:50

  13. zar

    @hmm: Mit 3 Angestellten schon Mittelstand? Das ist wohl eher HomeOffice/SmallBusiness … Komische Logik… Wer ist denn deiner Meinung nach Schuld an deinem Schlamassel?

    Als Homeoffice schafft man selten 600.000 € Umsatz. Nach Abzug von aller Kosten blieb aber oft noch genug übrig. Klar, auch das letzte Jahr hat mich nicht geschont. Erzähl das mal dem Finanzamt. Ich habe auch kein Problem Steuern zu zahlen, zumal ich ein funktionierendes Rechtssystem, Infrastruktur (nicht nur Verkehr) etc. wirklich schätze. Insofern kann ich den Sinn eines Finanzamtes verstehen. Dumm nur, wenn die Steuern basiert auf den Vorjahresdaten geschätzt werden.

    “Steuern zahlen müssen wir alle!” ???
    Ich arbeite in der Vertriebsorganisation eines internationalen Konzerns. Natürlich werden da defacto fast gar keine Steuer gezahlt: Zuvor werden einfach die Einkaufspreise an die Muttergesellschaft angehoben und aus einem Gewinn des Vormonats wird so aktuell eine schöne schwarze Null.
    Nein – ich bin nicht stolz darauf, ich habe aber auch eine Familie zu versorgen.

    Was ich nicht verstehe, ist: Wir als Steuerzahler sorgen ameisenartig für Umsatz in der Deutschland-Kasse. Der Kassenwart ist aber irgendeine Interessengemeinschaft der großen Parteien dieses Landes. Ich habe einfach das Gefühl, das in den Parteien weniger Kompetenz und mehr Demagogie angesagt ist.

    Das Dilemma:
    * Ich habe offensichtlich wenig Lust, mich bei irgendeiner Partei zu engagieren.
    * Ich habe auch keine Lust mehr irgendein Unternehmen zu gründen.

    Wenn ich mir Artikel 21 des GG ansehe, lese ich:
    “Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit…”.
    Was haben wir gelacht! Die Parteien sind heilige Kühe.
    Was das Land braucht ist ein anderer Zugang zur Politik: Direktwahl von Personen, ähnlich wie bei der Wahl zur Bezirksvertretung, Volksabstimmungen. Nur so haben die Bürger ein “echte” Möglichkeit der Mitsprache.

    zar

    #13 Kommentar vom 31. August 2009 um 09:57

  14. alles Unsinn…ich bin müde » Blog Archiv » SPD Plakatmodell predigt gegen Studiengebühren und hat die Lösung

    [...] Tja, blöd nur, wenn man selbst an einer Privatuni lernt. [...]

    #14 Pingback vom 31. August 2009 um 16:37

  15. Moser

    Kritik völlig unlogisch.
    Seid doch froh, dass jemand, der offensichtlich kaum finanzielle Sorgen hat, trotzdem für ein sozial gerechtes Bildungssystem eintritt.

    Sinngemäßes Zitat von Lafontaine:
    Wer arm ist, tut sich leicht, links zu sein, für Reiche ist das ungleich schwerer.

    #15 Kommentar vom 01. September 2009 um 01:23

  16. Urlaub

    Ich habe mit Jennifer zusammen studiert und kann ihr nur zustimmen. Man kann Tourismus fast nur an einer Privatuni studieren. Es sei denn man hat ein Abischnitt von 1,0 und möchte in den Harz oder nach Stralsund ziehen…Allerdings ist das mit dem Wahlplakat wirklich zu widersprüchlich!!!!

    #16 Kommentar vom 16. Dezember 2009 um 12:09

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