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30. August 2009

Kommentar zu den Wahlergebnissen im Saarland, Thüringen und Sachsen

Mal von der Erkenntnis abgesehen, dass jeder fünfte Saarländer die SED-Nachfolgepartei Die Linke gewählt hat, sind die Ergebnisse natürlich aus CDU-Sicht erfreulich und fatal zugleich. Die großen Parteien sind leider kaum mehr als groß zu bezeichnen. Im Saarland sind nun fünf Parteien  vertreten. Mit 34,5 % für CDU immerhin stabile Verhältnisse, aber bei Verlusten im zweistelligen Bereich. Das ist fatal. Und hier darf die CDU gerne hinterfragen, was der Auslöser dafür ist. Sachsen mit 40,6 & für die CDU in Sachsen und 31,3 & für die CDU in Thüringen sind stabil, die Verluste schlimm.

Es ist schon beeindruckend und ein leider von SPD-Seite nicht geäußertes Thema: Die SPD kommt nirgends erwähnenswert über 25 % und erklärt sich trotzdem zum Wahlsieger. Tatsächlich ist sie in Sachsen mit knapp 10 Prozent schon keine Volkspartei mehr; in Thüringen liegt sie zehn Prozentpunkte hinter der Partei Die Linke, im Saarland nur vier Prozent vor der Lafontaine-Partei. Sieger sehen anders aus. Und trotzdem lächelt ein geschwitzter Steinmeier und ein sichtlich gealterter Müntefering in jede Kamera. Sollte den beiden mal jemand mitteilen, dass SPD-Wahlergebnisse auf Landesebene mit 25,1 % im Saarland, 10 % in Sachsen und rund 18 % in Thüringen alles andere als erfreuliche Ergebnisse sind und dass dies keine Zeichen gegen oder für irgendwas sind. Eher ein Zeichen gegen diesen wählerfernen Klamauk, den man täglich im TV, in den Zeitungen und auf Wahlplakaten sehen kann.

Fazit ist: die politische Landschaft wird sich dauerhaft auf die Situation einstellen müssen, dass Regierungsmehrheiten entweder nur in Dreierbündnissen oder zwischen CDU/SPD gebildet werden können. CDU/FDP müssen sich programmatisch mit den Grünen auseinandersetzen, was eine weitere Option bieten würde und dauerhaft sicherlich die Debatten erleichtert. Die Lagerbildung aus konservativer Politik mit CDU und FDP sowie auf der anderen Seite das linke Dreierbündnis aus SPD, Grüne und Die Linke wird dauerhaft Politik erschweren. Mal davon abgesehen, dass demokratiefeindliche Parteien in Regierungen eigentlich nichts veloren haben.

Marcus Reif

27. August 2009

Das war das Flörsheimer Familien- und Sommerfest der CDU

Bilder sprechen mehr als Worte. War schön!

Ein dickes "Ups" im Wahlkampf – Plakat-Model wirbt gegen Studiengebühren, studiert aber selbst an Privatunis

Wieder mal kein Skandal, aber ein dickes “Ups” im Wahlkampf. Da wird die Nordkurve – so nennt Kajo Wasserhövel die SPD-Bundestagswahlkampfzentrale – sich die Hand an die Stirn geklatscht haben. Auf dem folgenden Plakat wirbt ein SPD-Mitglied und Kandidatin der JUSOs für die NRW-Kommunalwahl – der Nachname wird hier mal weggelassen, belassen wir es bei Jennifer - für die Abschaffung der Studiengebühren. Das ist für die SPD ein besonderes Thema und liegt nicht nur der Bundespartei am Herzen, sondern einigen Wählerinnen und Wählern auch. Per se keine Diskussion wert, aber wer ist denn die Dame dort?

SPD-Bildung

Jennifer auf dem Wahlplakat der SPD. Foto: SPD

Jennifer ist eine Studentin der EBC Düsseldorf und der EBC Dublin auf Diplom im Studiengang Tourismus- und Eventmanagement. Die EBC Düsseldorf nennt sich “European Business College” und ist eine Hochschule für internationales Management. Mehr unter http://www.duesseldorf.euro-business-college.de

Ein Studium dort kostet laut Recherchen der Süddeutschen Zeitung (Artikel unter http://www.sueddeutsche.de/politik/216/485640/text) rund 24.000,- EUR (Semestergebühren sowie Gebühren für Prüfungen und Unterrichtsmaterialien). Dies würde an einer Universität in Nordrheinwestfalen für lockere 47,8 Semester Studium reichen, also echt attraktiv für Langzeitstudierende. Und was ist nun Stein des Anstoßes? Politik hat wenige Aspekte, die den Wähler überzeugen. Vertrauen gehört dazu und Glaubwürdigkeit. Und eine Dame, die links predigt, aber rechts lebt, ist wenig glaubwürdig. Genau so wird das zum politischen Problem der Nordkurve.

Die Süddeutsche schreibt: Sie selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Über ihr Profil im Internetnetzwerk Xing meldete sie sich aber am Abend mit diesen Worten: “Für alle, die es ganz genau wissen wollen: Mein Studiengang wird nicht an einer staatlichen Schule angeboten. Gerade weil ich weiß, wie schwierig es ist, Studiengebühren zu bezahlen, bin ich gegen generelle Studiengebühren wie sie CDU und FDP für alle Unis in NRW eingeführt haben.”

Das ist zumindest nicht dumm dahergeredet. Das ist ein gutes Beispiel, welcher Faux pas im Wahlkampf-Marketing lauern können. Lustig auf jeden Fall!

Und wenn der arme Minister Schäuble plakatemäßig veräppelt wird, braucht die SPD bei solch einer Vorlage nicht lange darauf zu warten, bis Gleiches mit ihrigen passiert, siehe hier (gefunden auf rcds.de):

00000220_SPD-Wahlplakat

Mit einem Grinsen verabschiede ich mich und wünsche einen schönen Abend.

Marcus Reif

21. August 2009

Großer Bohei um eine eigentlich triviale Sache – Hintergrundcheck von Bewerbungen im Internet

Die Presse treibt einen richtigen “Skandal” durch die Medien. Wie die Meinungsumfrage des Dimap-Instituts herausgefunden hat, suchen 28 Prozent der befragten Unternehmen gezielt im Internet nach Informationen über Bewerber. Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit passiert dies im Vorfeld einer Einladung zu Vorstellungsgespräch. Als Quellen werden Karriereportale (welche genau sollen das sein?), aber auch soziale Netzwerke, wie Facebook oder StudiVZ, genutzt.

Und – wen wundert’s – werden hier Partyfotos, unflätige Meinungsbekundungen über Arbeitgeber usw. ins Feld geführt, die als Karrierehindernis das berufliche Fortkommen negativ beeinflussen. Skandälchen, Skandale und negative Nachrichten verkaufen sich natürlich viel besser, als positive.

Man muss ja mal einige Punkte klarstellen. 28 % sind nicht 100 %. Konzerne und größere Firmen mit Bewerbungseingängen im vier- oder fünfstelligen Bereich haben oftmals gar keine Kapazitäten für einen Hintergrundcheck der Bewerbungen im Internet. Gar nicht zur Geltung kommen in den Artikeln übrigens die positiven Effekte aus der Präsenz der Bewerber. Oder wenn jemand durch sein Verhalten in Diskussionen, in sozialen Netzwerken oder durch seine Präsenz selbst sehr positiv auffällt, hat das natürlich keine negativen Effekte zur Folge. Dies könnte doch eher zu einem positiven Stimmungsbild führen und den guten Eindruck der Bewerbungsunterlage verstärken. Wenn jemand gar nicht im Internet gefunden wird – was bedeutet das denn eigentlich? Digitale Askese? Kein geübter Umgang mit moderner Technik oder jemand, der moralisch einwandfreies Verhalten übt?

Im Grunde ist es doch wie im richtigen Leben. Verhalte ich mich saumäßig, spielt es keine Rolle, ob ich dies online oder offline tue. Das Verhalten ist und bleibt saumäßig. Der Vorteil – oder in diesem Fall als böser Nachteil gesehen – des Internets ist die Evidenz und der gefühlt unendliche Zugriff auf unbedachte Äußerungen oder Bilder. Menschen vergessen, das Internet eher selten … Alles in allem ist diese Internethetze schwer nachzuvollziehen. Gute Manieren gibt es eben in beiden Welten. Also alles andere als ein Skandal. Und ein Blick in Google News lässt keinen Zweifel, dass die meisten Zeitungen und Onlinemedien diesen Bericht fast unverändert in dem negativen Duktus abdrucken. Wo bleibt da die journalistische Qualität?

Beste Grüße

Marcus Reif